
Liebe Lernbegeisterte,
sehr geehrte Damen und Herren!
Was ist Motivation? - Was heißt motivieren?In Unternehmen gibt es kaum eine Aussage, die so oft in den Mund genommen wird, wie das Wort Motivation oder motivieren. Wieso eigentlich? Anscheinend, so könnte man annehmen, ist hier ein wesentlicher Schlüssel vorhanden, um den Erfolg eines Unternehmens langfristig und nachhaltig zu sichern, gar zu steigern. Vordergründig betrachtet mag dies auch stimmen, denn bekennt man nicht oft in Unternehmen, dass der Mensch das größte Kapital ist? Eine gewichtige Aussage in der Theorie, doch wie sieht es in der Praxis aus? Wie oft hört man im alltäglichen Umfeld nicht den Schlagbegriff, dass der Endverantwortliche seinem Vorgesetzten sagt: „Sie müssten Ihre Mitarbeiter motivieren“. Und genau hier liegt der Hund begraben! Wieso? Jemanden anderen motivieren – Wie soll dies funktionieren?

Kommen wir mal auf das Wort „Motivation“ zurück. Was heißt dieses Wort eigentlich? Versuchen wir dieses Wort aufzugliedern, um dem Ursprung auf die Spur zu kommen. Welche Wortwurzel befindet sich in dem Wort „Motivation“? Motiv! Ganz genau. Durch welches rein deutsche Wort können wir das Wort Motiv ersetzen? Beweggrund! Ein Grund, der jemanden in Bewegung setzt. Das heißt, es geht hier viel mehr als um einen kausalen Zusammenhang zwischen einem Ziel, das es zu erreichen gilt und das Warum jemand dieses Ziel gerne erreichen möchte. Genau hierauf beschränken sich häufig Führungskräfte innerhalb menschlicher Systeme und wundern sich dann, dass oftmals begeisterte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nach kurzer Zeit ihren Elan verlieren. Sie als Führungskräfte wissen oft nicht, wie mit dieser Situation umgehen und neigen manchmal dazu dieses Vakuum durch Druck ausüben zu füllen. Resultat: die Negativspirale setzt ein, der Mitarbeiter stürzt möglicherweise noch mehr ab, das Verhältnis zwischen beiden Ebenen verschlechtert sich und Schuldzuweisungen nehmen ihren Lauf. Was ist passiert? Die Führungsebene hat sich in ihrer Führung möglicherweise ausschließlich auf den Grund konzentriert, wieso ein Mitarbeiter diese Aufgabe zu einem erfolgreichen Abschluss bringen könnte und ist beim ersten Hindernis gescheitert. Was ist denn eigentlich wichtig, vielleicht sogar entscheidend? Wir haben gesehen, dass es der Führungskraft gelingen sollte, die Beweggründe des Mitarbeiters zu ergründen, die ihn dazu befähigen, welche Aufgabe auch immer zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Wo liegt denn der Unterschied zwischen einem Grund und einem Beweggrund? Der Grund antwortet auf die Frage „warum?“ und findet vorwiegend auf der Ebene der Ratio und somit auf der Vernunftebene statt und läuft dadurch Gefahr über kurz oder lang an seine Grenzen zu stoßen. Der Beweggrund antwortet auf die Frage „Worauf freue ich mich?“. Durch diese Fragestellung, die einen wesentlichen Nuancenunterschied zum vorhin genannten „Warum“ darstellt, konzentrieren wir uns mehr auf den Prozess d.h. auf den Weg zum Ziel und nicht ausschließlich auf das Ziel. Mit anderen Worten, der Weg ist das Ziel. Wo liegen hier die Vorteile? Der Weg zum Ziel ist immer eng mit dem „Wie“ verbunden und offenbart somit eine Vielzahl von Ursachen, Schritten, Situationen, Momenten, die einem wichtig, ja unentbehrlich sind. Sollte im Verlauf der Wegbeschreitung, die eine oder andere Situation widerwärtig erscheinen, so wird sie unschwer seitens des Mitarbeiters von anderen „Wie’s“ aufgefangen, die praktisch im Verbund stehen.
Was kann die Führungskraft hieraus lernen?Es ist völlig unmöglich, einen anderen Menschen zu motivieren, denn der Beweggrund ist so persönlich wie der Mensch, der durch ihn animiert wird. Und dennoch sollte die Führungskraft führen. Der Knackpunkt besteht darin, dass die Führungskraft sich intensiv mit den Mitarbeitern auseinander setzt und dafür Sorge trägt, dass den Beweggründen, die einen Mitarbeiter in Aktion versetzen, Nahrung geboten wird. Dies heißt, wenn die Führungskraft den Mitarbeiter begleitet, wird sie ständig für die notwendigen Rahmenbedingungen sorgen, die beim Mitarbeiter selbst den Antrieb auslösen, sich auf diese oder jene Aufgabe mit Begeisterung einzulassen. Ich wäre geneigt zu sagen, dass ein gute Führungskraft einen Sog herstellt, in dem der Mitarbeiter hineingezogen wird im Gegensatz zu einer hervorragenden Fachkraft, die eher dazu neigt, den Mitarbeiter zu drücken.
Gibt es etwas Schöneres als Menschenführung?
Und dennoch, immer wieder stelle ich in Unternehmen fest, dass Menschen für eine Führungstätigkeit auserkoren werden, weil sie die entsprechende Fachkenntnis dieses Dienstes innehaben – von Führung oftmals keine Ahnung haben und obendrein, einmal befördert, nicht wissen, wie die Menschen anleiten. Resultat: Unsicherheit bei der sogenannten Führungskraft verbunden mit einem sich unwohl fühlen, was sich oftmals dahin entwickelt, dass sich diese Malaise auf den Mitarbeiter überträgt mit ähnlichen Folgen. Wie kann dann dieser Verbund, Vorgesetzter – Mitarbeiter Spitzenleistungen erbringen?

Wichtig erscheint mir hier das Wissen über menschliche Systeme. Jedes Unternehmen, jede Familie, eine Abiturklasse usw. bildet ein lebendiges Gebilde, das wir ein menschliches System nennen. Hiervon ausgehend dürfen wir unmittelbar ableiten, dass jedes menschliche System immer ein Gleichgewicht sucht d.h. dass es funktioniert. Auch wenn es nicht optimal oder nicht harmonisch bzw. effizient funktioniert, lebt es, jedoch es dysfunktioniert. Ich wäre geneigt zu sagen, dass es in gewissen Fällen um die eigene Axe dreht, da das menschliche System sich mit sich selbst arrangiert hat. Kann man hier noch von Effizienz sprechen, wenn die Menschen wider Willen, ohne Lust und Laune ihrer Tätigkeit nachgehen? Wer würde wagen zu behaupten, dass die einzelnen Akteure innerhalb dieses Systems eine innere Erfüllung verspüren? Häufig neigt die Leitfigur dann dazu den anderen ändern zu wollen und bringt oftmals das menschliche System in ein noch größeres Ungleichgewicht, denn wer lässt sich schon gerne von außen verändern?
Fazit: Den einzigen Menschen, den man ändern kann, ist man selbst und dies ist schon nicht einfach. Da wir uns jedoch in einem menschlichen System befinden, wissen wir, dass ständig eine Interdependenz vorhanden ist, um das System im Gleichgewicht, auch wenn es ein Ungleichgewicht ist, zu halten. Und genau hier liegt der Schlüssel zum Erfolg. Wenn ich mich als Führungskraft – Sie alle werden mit größter Wahrscheinlichkeit irgend wann einmal eine führende Funktion inne haben – selbst ändere, wird dies unweigerlich eine unmittelbare Auswirkung auf das Verhalten meiner Mitarbeiter haben, denn sie tragen ja dazu bei, dass das System am Leben bleibt. Vorübergehend wird das Gleichgewicht des Systems aus den Fugen geraten und die Leute in einer Übergangsphase verunsichert werden. Nach einiger Zeit wird sich mit Sicherheit ein neues Gleichgewicht einstellen, dass gesünder ist und die Mitarbeiter und der Vorgesetzte mehr Freude und Effizienz in ihrer Arbeit erhalten.
Fallbeispiel: UniversitätskrankenhausUnd Sie liebe Abiturientinnen und Abiturienten, wie schaut es mit Ihnen aus? Ich unterstelle einfach mal, dass die meisten von Ihnen ein Universitäts- oder Hochschulstudium oder eine Lehre anstreben. Ist dies eine logische Schlussfolgerung, weil Sie ja nun das Abitur in der Tasche haben? Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Wahl in die eine oder andere Richtung zu orientieren? Welche Parameter haben mitgespielt, um zu der Sicherheit zu gelangen: Dies ist mein Weg!?
Was würden Sie antworten, wenn ich Ihnen die Frage stellen würde: „Was werden Sie ab September machen? Warum?“
Was würden Sie antworten, wenn ich Ihnen die Frage stellen würde: „Worauf freuen Sie sich ab September?“
Von Herzen wünsche ich Ihnen viel Freude in dem, was Sie unternehmen werden. Vor allen Dingen die Einsicht, dass Sie selbst den Unterschied machen, mit Freude und Elan Ihren Weg zu gestalten. Sie selbst haben es in der Hand aus Ihrem Leben etwas zu machen. Dies bedarf Einsatz, Energie und Anstrengung. Es lohnt sich!
Heribert OssemannZur Person:Heribert Ossemann ist PCC, Professional Certified Coach des Internationalen Coaching-Verbandes, und begleitet seit mehr als zehn Jahren Führungskräfte in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung. Heribert Ossemann ist 54 Jahre und in Aachen aufgewachsen. Nachdem er in mehreren Unternehmen, die international aufgestellt sind, Führungsfunktionen wahrgenommen hat, ist ihm bewusst geworden, dass der Mensch der wesentliche Erfolgsfaktor eines jeden Unternehmens ist, vorausgesetzt, er wird akkurat geführt. Vor elf Jahren hat er sein eigenes Unternehmen gegründet und in einer ersten Phase europaweit Führungstrainings gegeben und sich dann in Frankreich und den USA zum professionellen Coach ausbilden lassen. Dies vor dem Hintergrund, dass er erkannt hat, dass es nicht reicht, eine gute Ausbildung zu erhalten, sondern dass es wichtig ist, die Menschen in ihrem beruflichen Alltag zu begleiten. Es bereitet ihm große Freude mit dazu beitragen zu dürfen, dass Menschen über sich selbst hinauswachsen und einen tieferen Sinn in dem erfahren, was sie täglich antreibt.
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